Aktuelles | Gottesdienste | Was ist, wenn? | Mitarbeiter | Gemeindeleben | Kindergärten | Kirchen
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Ebermannstadt

 
Die Pfarrkirche St. Nikolaus in Ebermannstadt

GESCHICHTE

Ebermannstadt, lavierte Bleistiftzeichnung von Carl August Lebschée, ca. 1840,  StBB I. T. 135/38
Ebermannstadt, lavierte Bleistiftzeichnung von Carl August Lebschée, ca. 1840, StBB I. T. 135/38
Im Jahre 1332 werden urkundlich zwei Kirchen in Ebermannstadt erwähnt: die ältere Marienkapelle und die Kirche St. Nikolaus. Diese Kirche war bis 1469 dem Pfarrherrn von Pretzfeld unterstellt, erst dann wird sie zur selbständigen Pfarrei erhoben und erhält sieben umliegende Ortschaften zugeteilt.

 

 

 

 

 

Lageplan der alten und der neuen Pfarrkirche, Riss von 1860, Vermessungsamt Forchheim
Lageplan der alten und der neuen Pfarrkirche, Riss von 1860, Vermessungsamt Forchheim
Über den ersten Kirchenbau selbst ist wenig bekannt. Alte Zeichnungen und Stiche belegen aber eine gotische Wehrkirche mit spitzem Turmdach und vier Scharwachtürmchen auf den Turmseiten. Ungewöhnlich muss der Standort dieses Gotteshauses anmuten. Die Kirche lag nämlich außerhalb des Stadtringes im Friedhof vor dem unteren Tor. Umgeben war die ganze Anlage von einer Wehrmauer. Diese Lage mit Pfarr- und Schulhaus sowie die Größenverhältnisse der Gebäude sind auf erhaltenen Plänen aus dem 19. Jahrhundert festgehalten.

 

 

1835 wurden an der Pfarrkirche größere Schäden festgestellt, drei Jahre später wurde sie wegen Einsturzgefahr geschlossen. Man kam überein, keine aufwändige Restaurierung vorzunehmen, man entschied sich für einen Kirchenneubau.

1845 begann man mit ersten Abbauten an der alten Pfarrkirche, 1852 erfolgte der völlige Abbruch. Im folgenden Jahr übernahm der königliche Bauinspektor v. Wallenfels vor Ort die Abmessung für den geplanten Neubau. An der Planung waren die Architekten Wilhelm Frank, Joseph Bachauer und Konrad Weis beteiligt.

Der Neubau der Pfarrkirche bedeutete für die 700-Seelen-Gemeinde eine riesige finanzielle Belastung. Durch Spendengelder, freiwillige Hand- und Spanndienste, Zuschüsse und durch den Verkauf von Gemeindeholz konnte schließlich die Summe von ca. 50 000 Gulden aufgebracht werden.

Am 18. Oktober 1859 wurde die neue Kirche durch den Bamberger Erzbischof Michael von Deinlein feierlich konsekriert.

 

 

BESCHREIBUNG

St. Nikolaus auf dem Vorplatz von Harro Frey, 1989
St. Nikolaus auf dem Vorplatz von Harro Frey, 1989
Durch den Neubau bedingt, musste auch der Vorplatz der Kirche mehrmals verändert werden. Aus dem alten Pfarrgarten entstand durch verschiedene Umgestaltungen der heutige Außenbereich, dominiert von den vier Ortspatronen von Ebermannstadt. Vorgängerfiguren aus Sandstein standen bis ins 19. Jahrhundert entlang eines Bächleins in der Hauptstraße. Die Bronzefiguren stellen die Heiligen Nikolaus, Florian, Sebastian und Nepomuk dar. Geschaffen wurden sie von dem fränkischen Bildhauer Harro Frey ab 1989.

Die neuerbaute Pfarrkirche wurde im neuromanischen Stil errichtet. Im Vergleich zur alten gotischen Kirche war ihr Grundriß erheblich vergrößert worden. Außerdem hat man – anders als beim Vorgängerbau – den Eingang durch den neuen Turm von Osten her angelegt und den Hochaltar im Westen aufgestellt.

Links neben dem Kirchenportal hat 1896 die Ebermannstädterin M.Weigel den überdachten Ölberg errichten lassen. Gefertigt hat ihn der Bildhauer Philipp Dorsch aus Bamberg. Zur rechten Seite des Einganges erinnert unter einem Kruzifix eine Gedenktafel an den bedeutenden Ebermannstädter Bildhauer Friedrich Theiler (1748 – 1826). Seine Grabstelle im alten Friedhof wurde beim Neubau der Kirche überbaut und befindet sich jetzt unter dem Altarbereich.

Der Innenraum der Kirche war, dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend, verhältnismäßig dunkel gestaltet worden, Haupt- und Nebenaltäre mit rotbraunen Arabesken umgeben, die Deckenkonstruktion im gleichen Farbton gehalten. Es scheint so, als ob diese damals modische Raumgestaltung bei der Gemeinde und den folgenden Pfarrherren nicht ungeteilte Anerkennung fand. Bereits 1877 erfolgte die erste Renovierung, 1924, 1955, 1972 weitere Umgestaltungen. Auffallend dabei ist, dass keine Renovierung der Erneuerung des vorherigen Zustandes galt, sondern jedesmal grundlegende Veränderungen vorgenommen wurden. Jede Restaurierung brachte eine farbliche Aufhellung des Raumes mit sich und eine Entfernung des ursprünglich neuromanischen Gepräges. Besonders deutlich wurde dieses Bemühen bei der letzten Neugestaltung des Kirchenraumes von 2002 unter der Mitwirkung des Bamberger Bildhauers Albert Ultsch. Das schwere Rotbraun wurde endgültig durch ein dezentes Grau ersetzt.

In die Kirche gelangt man durch den Haupteingang im Untergeschoss des Turmes. Hier empfangen den Besucher die beiden Bilder der früheren Seitenaltäre. Links eine Immakulata, rechts eine Kreuzigungsszene. Die Bilder im sogenannten Nazarenerstil in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemalt, entstammen der Werkstätte von Prof. Schlotthauer, München.

Der eigentliche Innenraum präsentiert sich als lichte Hallenkirche ohne Seitenschiffe, überspannt von einer flachen Holzdecke in hellen Grautönen, Weiß und Gold.

Der Innenraum der Pfarrkirche St. Nikolaus in Ebermannstadt
Der Innenraum der Pfarrkirche St. Nikolaus in Ebermannstadt

Der Eingangsbereich ist durch die Orgelempore überbaut. Oben, neben der Orgel, deren Prospekt in Weiß und Gold gehalten ist, sind Statuen von Bruder Konrad, Judas Thaddäus und ein Schmerzensmann aufgestellt.

Stele und Madonna von Klaus Backmund, 1974
Stele und Madonna von Klaus Backmund, 1974
Eine Herz-Jesu- und eine Herz-Marien-Statue aus dem Ende des 19. Jahrhunderts flankieren den Eingang unter der Empore. Zur linken Seite sitzt auf einer gegabelten Steinstele eine aus Ton gebrannte Maria, die mit kummervollem Blick dem Betrachter das schreitende Jesuskind entgegenhält. Diese von Klaus Backmund 1974 geschaffene moderne Plastik gehört sicher zu den ausdrucksstärksten Bildwerken der Kirche.

An der gegenüberliegenden rechten Wand steht neben dem Aufgang zur Empore eine Josefsstatue aus der Spätzeit des 19. Jahrhunderts, daneben eine Marienfigur aus Südtirol von 1999.

Ringsum an den Kirchenwänden erinnern Kreuzwegstationen im Nazarenerstil an den Leidensweg des Herrn. Sie wurden 1861 von dem in Waischenfeld lebenden Künstler Matthias Schröder gemalt.

Links wendet ein hl. Wendelin im Schäfergewand sich zum Hochaltar. Die Figur hat 1940 der Bamberger Bildhauer Georg Bauer geschaffen. Gestiftet wurde sie von den Saarländern, die zu Beginn des zweiten Weltkrieges in Ebermannstadt evakuiert waren.

Über dem Beichtstuhl an der linken Wand blickt der hl. Aloysius, gehüllt in ein enggefaltetes Chorhemd, auf das Kreuz, das er in seinen Händen hält. Der 1591 verstorbene Jesuitenheilige, Patron der Jugend, wurde von F. Theiler in seiner klassizistischen Schaffensperiode nach 1800 gefertigt.

Als Gegenfigur findet sich an der rechten Wand eine Statue des hl. Antonius von Padua, wohl aus der Bauzeit der Kirche. In goldener Kutte hält der große Prediger des 13. Jahrhunderts das Jesuskind auf dem Arm.

An den Seiten der rechten Nebentür sind die Bamberger Bistumspatrone, die hl. Kunigunde und ihr kaiserlicher Gemahl, der hl. Heinrich, angebracht. Vermutlich stammen diese Relieffiguren aus der gotischen Vorgängerkirche.

Danach zieht der Kirchenpatron, der hl. Nikolaus, den Blick der Betrachter auf sich. Die von Anselm Sickinger um 1858 geschaffene Figur steht auf einer besonders gestalteten Konsole. Im goldenen Bischofsornat hält der Heilige drei goldene Kugeln in seinen Händen. Die drei Knaben im Fass zu seinen Füßen verweisen auf eine der zahlreichen Legenden, die über den hochverehrten Heiligen erzählt werden. Ursprünglich befand sich diese Statue zentral im Hochaltar der Kirche.

Unmittelbar unter dem Patron wird eine kleine neugotische Monstranz mit einer Reliquie des hl. Nikolaus gezeigt.

Am Ende der rechten Seitenwand erhebt sich der von F. Theiler geschnitzte auferstandene Christus. Der erhobene rechte Segensarm, das von den Schultern gleitende Grabtuch, die betonte Schreitstellung der Beine vermitteln den Eindruck, dass sich der Auferstandene von der Erde lösen wird. Seine leere Grabstätte ist als Wandnische angedeutet.

Links und rechts vor dem romanischen Chorbogen, der den Blick zum Hauptaltar lenkt, waren früher die Seitenaltäre aufgestellt. Jetzt sind dort jeweils graugetönte Retabel angebracht als Hintergrund für zwei originale Bildwerke aus gotischer Zeit.

Gnadenstuhl aus dem Jahr 1420
Gnadenstuhl aus dem Jahr 1420
An der rechten Seite nimmt ein „Gnadenstuhl“ aus dem Jahr 1420 seinen Platz ein. Das aus Südwestdeutschland stammende Relief wurde 1980 der Pfarrkirche gestiftet. Gottvater, mit Krone und mächtigem Bart ausgestattet, hält den Gläubigen das Bildnis seines gekreuzigten Sohnes entgegen. Über seiner rechten Schulter ist der heilige Geist in Form einer Taube zu erkennen. Die eindrucksvolle Holzplastik steht in enger inhaltlicher Beziehung zum neuromanischen Taufbecken und zum auferstandenen Christus. Neben dem Taufbecken birgt eine Nische in der Wand die Taufkanne und das heilige Chrisam. Hier wird jeweils für die Liturgie der Karwoche das heilige Grab aufgestellt mit einem ergreifenden Grabchristus aus der Hand F. Theilers.

Gotische Madonna um 1500
Gotische Madonna um 1500
Vor dem Retabel auf der linken Seite steht eine Maria auf einer Konsole, die ihr Kind auf dem linken Arm trägt. Das Kind hält in seinen Händen nicht wie üblich einen Apfel, sondern eine Birne als Symbol der Süße, der Milde und der Liebe, Werte, die in der christlichen Lehre von entscheidender Bedeutung wurden. Diese kostbare Skulptur schenkte Studiendirektor Nikolaus Deinlein 1986 seiner Heimatpfarre. Das Holzbildwerk ist um 1500 im Alpenraum entstanden.

Links davon belegt das alte Vortragskreuz aus der Hand F. Theilers die große Aussagekraft der Bildwerke des Ebermannstädter Meisters.

Die künstlerische Gestaltung des Altarraumes geht auf K. Backmund zurück. Dem erhöhten Chorraum spenden die modernen Fenster belebende Farbigkeit. Lamellen vor dem Mittelfenster verhindern eine störende Blendung.

Der Altarblock aus Muschelkalk nimmt die Mitte des Raumes ein. Rechts davor auf dem bronzenen Ambo schreitet der lehrende Christus, umgeben von Jüngern, auf die Besucher zu.

Am Ende des Chorraumes erhebt sich auf einer mächtigen Steinstele das große Kruzifix, geschaffen von F. Theiler um 1800. Ursprünglich war es als Hauskreuz gefertigt.

Kruzifix von F. Theiler um 1800
Kruzifix von F. Theiler um 1800
Der feingliedrige, durchformte Korpus, das schmerzgeneigte Haupt mit den edlen Gesichtszügen, zeugen von der großen Meisterschaft des Ebermannstädter Bildhauers. Das geschlungene Seil, welches das Lendentuch hält, ist ein besonderes „Markenzeichen“ des Künstlers, der einer Seilersfamilie entstammte.

Unter dem Kreuz stehen die bewegten Barockfiguren der Mutter Maria und des Jüngers Johannes. Früher standen diese beiden Figuren in der offenen Kreuzbergkapelle oberhalb der Stadt. Sie werden dem bekannten Bamberger Bildhauer Leonhard Gollwitzer (1682 – 1746) zugeschrieben.

Insgesamt ist die Pfarrkirche St. Nikolaus mit ihrem theologischen Konzept, ihren Bildwerken aus den verschiedenen Stilepochen und in ihrer neuen lichten Ausgestaltung eine würdige Gebetsstätte für die gläubigen Bürger der alten Stadt und für alle Gäste.

 

Text: Erich Döttl,
Fotos und Layout: Andreas und Hans Weisel

LITERATUR:

Hans Hübner, St. Nikolaus zu Ebermannstadt, 2002
H. Meyer, J. Mähringer, A. Schön, Hundert Jahre Pfarrkirche St. Nikolaus, 1959
Josef Pieger, Aus der Pfarrgeschichte von Ebermannstadt, Heimatbuch, 1973
Josef Ismaier, Die Pfarrkirche in Ebermannstadt, 11. Heimattag der Fränk. Schweiz, 1987
Erich Döttl, Toni Welzbacher, Die Heiligen des Friedrich Theiler, 1998